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Pressespiegel

Artikel in der Thüringer Landeszeitung 23.05.03

"Perspektiven" in Erfurt

TLZ, 23.05.2003

Altstadt. Von einem derartigen Andrang zur Premiere kann so mancher Dokumentarfilmer nur träumen. Diesen Mittwoch um 19 Uhr wurde der 40-minütige Dokumentarfilm "Perspektiven" erstmals im Kinoklub am Hirschlachufer gezeigt. Der Zuschauerraum des Kinos war überfüllt, der Film wurde im Anschluss noch einmal wiederholt.

"Perspektiven", entstanden 2002, zeigt ohne Beschönigungen und mit einer gewissen distanzierten Ironie die Lebenssituation von Asylbewerbern in Erfurt. Robert Absa und Jules Tsomo aus Kamerun, Rustem Huwez aus dem Irak, Riaz Khan aus Bangladesh, Rauf Muradov aus Asherbaidschan und als einzige Deutsche Annika Friedemann berichten im Wechsel von ihren Erfahrungen, Gefühlen und Gedanken.

"Vor fast drei Jahren hätte ich Erfurt nicht einmal geografisch einordnen können und dennoch lebe ich nun in dieser Stadt." Robert Absa, politisch verfolgt und jetzt Asylbewerber, schildert sein Leben in Erfurt mit einer schönen und einer hässlichen Seite, erzählt von Arroganz und feindseligen Blicken, aber auch von seiner deutschen Freundin Annika Friedemann, einer 17-jährigen Abiturientin. Doch überall hin begleiten darf er sie nicht. Die Residenzpflicht für Asylbewerber hindert ihn daran: "Einmal erzählt Annika von einem Konzert in Weimar, sie hatte vergessen, dass ich Erfurt nicht verlassen darf."

Andere Hauptdarsteller berichten von der Verdammung zur Untätigkeit. Selbst wenn sie einen Job fänden, müssten sie diesen dem Arbeitsamt melden - und das würde dann den Job erst Deutschen oder bevorzugten Ausländern aus EU-Staaten anbieten. Angst herrscht auch vor der in zwei Fällen drohenden Abschiebung. "Perspektiven" verdeutlicht, wie absurd und unmenschlich viele Bestimmungen des deutschen Asylrechts sind.

Dieser faszinierende Einblick in eine andere Welt gleich nebenan entstand als Projekt der Vereine Diskurs, Landesfilmdienst Thüringen und DGB-Bildungswerk Thüringen. Alle Mitwirkenden waren zugleich Autoren und Regisseure. Wer die Premiere verpasst hat, kann beim Landesfilmdienst in der Brühler Straße 52 eine Videokassette ausleihen oder kaufen.

Von Anja Tschirschky

Artikel in der Thüringer Allgemeinen 23.05.03 über das Projekt

Flüchtige Alltagsbilder fügten sich zu Mosaik

Thüringer Allgemeine, 23.05.2003

Eine ungewöhnliche Filmpremiere sorgte Mittwoch Abend im Kinoklub für ein volles Haus. Es ging um "Perspektiven" und fast alle Hauptdarsteller saßen samt Familie und Freunden mit im Publikum.

Alle waren pünktlich - die Filmpremiere musste trotzdem verschoben werden: um eine Viertelstunde. Denn aus Sicherheitsgründen passen nur 50 Leute in den Klub. Derweil standen noch Dutzende Interessierte vor der Tür. Zum Glück fand sich ein Kompromiss. Der 40-minütige Dokumentarfilm hatte an diesem Abend eben zwei Premierenvorstellungen nacheinander.

Stolz und aufgeregt verfolgten Robert, Rauf, Riaz und die anderen Mitwirkenden die Resonanz auf den Zuschauergesichtern. Für sie war das Filmprojekt ein Experiment, das über ein Jahr zu einem interkulturellen Lernprozess wurde, den keiner der Beteiligten missen möchte. Dahinter stehen die Mühen beim schriftlichen Skizzieren der eigenen Vorstellungen, die mehrsprachigen Diskussionen im Entstehungsprozess, die ersten Drehs und Pannen.

"Perspektiven" ist ein filmischer Exkurs durch Erfurt - aus Sicht der auf Zeit hier lebenden Asylbewerber. Angesichts des pulsierenden Angers im Berufsverkehr schmerzt ihre aufgezwungene Passivität besonders. Sicher erfreuen auch sie sich am Weihnachtsmarkt, schnell folgt die Ernüchterung bei der Rückkehr ins Flüchtlingsheim. Sie leben teils schon fünf Jahre in Erfurt. Unter uns - selten mit uns, mit eigenen Regeln und Zwängen. Der Film reflektiert sachlich wie emotional: Erfurt bleibt für sie eine Durchgangsstation. Ein Ort der Hoffnung, des Warten, aber auch der Angst. Ohne Perspektive. Zwei der mit Rosen und Applaus geehrten Darsteller sind derzeit von einer Abschiebung bedroht. Iris PELNY

Artikel in der Thüringer Allgemeinen Dez 2002 über das Projekt

Artikel in der Thüringer Allgemeinen 19.06.02 über das Projekt
Thüringer Allgemeine vom 19. Juni 2002

 
 

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