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[Globalisierung] Globalisierung ungleich GlobalisierungDieser Text geht kurz auf den Begriff der Globalisierung ein, um dann einen bestimmten Aspekt von Globalisierung, den einer ökonomischen Globalisierung, genauer zu erläutern. Im Anschluss daran werden kurz Mechanismen und Akteure dieser Politik vorgestellt und Tipps zum weiter Lesen gegeben. Was ist eigentlich Globalisierung?Das Wort ist in aller Munde, meist dann, wenn von den "Globalisierungskritikern" oder gar "-gegnern" die Rede ist. Globalisierung (von global : [auf die ganze Erdoberfläche bezogen, weltumspannend, umfassend]) ist - auch wenn das durch die aktuellen Debatten anders erscheinen mag - eigentlich nichts neues. Der Prozess der Globalisierung, also die Tatsache, dass sich das Denken und Handeln der Menschen auf einen immer größer werdenden Teil der Erde erstreckt, ist uralt, und hat seinen Beginn da, wo Menschen anfingen, den Globus zu entdecken. Schübe oder Höhepunkte von Globalisierung gab es zwischendurch viele: Die Eroberung fremder Reiche, z. B. die Ausdehnung des Römischen Reiches bedeutete eine "Globalisierung" und natürlich auch der Kolonialismus der europäischen Nationen seit dem 15. Jahrhundert. Wirtschaftliche, politische und kulturelle GlobalisierungGlobalisierung hat zahlreiche unterschiedliche Aspekte: In vielen Bereichen gibt es einen großen internationalen Austausch, nicht nur im Hinblick auf die immer stärker werdende wirtschaftliche Vernetzung. Neben einer immer größeren wirtschaftlichen und politischen Vernetzung, gibt es auch einen Prozess der kulturellen Globalisierung. Wenn wir im momentanen Sprachgebrauch von Globalisierung sprechen, meinen wir meist einen Prozess, der nach dem zweiten Weltkrieg begann und seit den späten 70er Jahren und vor allem durch die neuen Kommunikationstechnologien, einer erhöhten Mobilität und einer zunehmend weltumfassenden Wirtschaft eine große Dynamik erhalten hat.1 Aufgrund der sehr unterschiedlichen Aspekte von Globalisierung ist es problematisch und irreführend, allgemein von "der Globalisierung" zu sprechen. Wenn Globalisierung beispielsweise undifferenziert als Sammelbegriff für vielfältige Erscheinungen einer zunehmenden Internationalisierung, eines immer größer und schneller werdenden Austauschs von Waren, Dienstleistungen, von Kultur und Information zwischen Menschen, Ländern und Kontinenten verwendet wird, erscheint die (problematische) Behauptung plausibel, Globalisierung sei - aufgrund der hohen Komplexität - ein nicht zu steuernder und quasi naturgesetzlicher Vorgang. In verschiedenen politischen Debatten, zum Beispiel in der Diskussion um Konkurrenzfähigkeit deutscher Unternehmen und um dem "Standort Deutschland" wird Globalisierung so auch gerne als politisches Argument verwendet, um bestimmte politische Maßnahmen oder Forderungen mit der Behauptung zu legitimieren, diese seien aufgrund von unabwendbaren Globalisierungsprozessen notwendig. Druck von Unternehmen auf RegierungenUnternehmen können mit solchen Argumenten zum Beispiel Druck auf Regierungen ausüben, möglichst ideale Rahmenbedingungen für ihre Produktion zu schaffen. Durch eine "globalisierte" Wirtschaft gibt es für Unternehmen und Kapitalanleger die so genannte "Exit-Option", das heißt die Möglichkeit in anderen Ländern zu produzieren oder Kapital anzulegen. Mit der Drohung, an anderen Standorten zu produzieren, werden oft Zugeständnisse der Regierungen an die Unternehmen, wie z. B. Subventionen oder Steuererleichterungen erreicht. Gleiches gilt für Lohnpolitik oder Sozialleistungen der Arbeitgeber .2 Im Kampf um die besten Bedingungen ("Standortkonkurrenz") für Investitionen und der Ansiedlung von Betrieben, so wird vor allem von Wirtschaftsverbänden und (neo-)liberalen PolitikerInnen argumentiert, sei es wichtig, z. B. über die Senkung der Lohnnebenkosten3 deutsche Arbeitsplätze "international konkurrenzfähig" zu machen. Die Tendenz, Globalisierung als nicht beeinflussbaren, quasi naturgegebenen Prozess zu betrachten, dem sich Unternehmen, Regierungen und alle Bewohner anpassen müssen, übersieht, dass es gezielte politische Entscheidungen sind, die eine wirtschaftliche Globalisierung, wie wir sie heute kennen, überhaupt erst möglich machen. Viele lehnen daher den Begriff "Globalisierung" ab, da er nicht zum Ausdruck bringt, dass eine konkrete und benennbare Politik zu einer Situation geführt hat, wie wir sie heute kennen, die unter anderem dadurch gekennzeichnet ist, dass ökonomische Belange über soziale Belange gestellt werden und wirtschaftliche Interessen zunehmend alle Bereiche des privaten, öffentlichen und politischen Lebens bestimmen. Stattdessen schlagen KritikerInnen des Begriffs vor, von einer "neoliberalen Globalisierung" oder "neoliberalen Politik" zu sprechen, um deutlich zu machen, dass es in erster Linie eine politische "Deregulierung" war, die zu der aktuellen Situation geführt hat. Jörg Huffschmid fokussiert bei der Analyse4 von "Globalisierungsprozessen" besonders auf die Liberalisierung der Finanzmärkte. Der seit dem Ende der 70er Jahre erfolgte sukzessive Abbau von staatlichen Kontrollmechanismen und internationalen Regulierungen, hat dazu geführt, dass heute nur noch ein Bruchteil der weltweiten Devisentransaktionen tatsächlich zum Zwecke des Güterhandels vorgenommen werden. Von den 1500 Milliarden $ weltweiter Devisenumsätze5 entfallen darauf gerade noch 3 %. 80 % aller Divisenumsätze haben eine Anlagezeit von weniger als 7 Tagen.6 Die weitaus meisten weltweiten Devisentransaktionen haben also spekulativen Charakter. Wechselkursunterschiede von weniger als einem Prozent werden bereits für Spekulationen ausgenutzt. Dies hat eine Reihe äußerst problematischer Auswirkungen: Neben der krisenanfälligen Instabilität der Finanzmärkte, die ganze Kontinente in Mitleidenschaft ziehen (Asienkrise, Argentinienkrise), den äußerst gefährlichen Auswirkungen für Entwicklungsländer, geraten immer mehr ökonomische, soziale und politische Lebensbereiche dem internationalen Wettbewerb der Finanzmärkte unterworfen, der keinerlei demokratische Kontrolle unterliegt. Was von radikalen Verfechtern eines so genannten "freien" Marktes gefeiert wird ist hinsichtlich einer wünschenswerten demokratischen und sozialen Entwicklung der Weltpolitik äußerst bedenklich. Die Entwicklung der Finanzmärkte ist ein besonders gutes Beispiel dafür, wie politische Entscheidungen einen Prozess in Gang gesetzt haben, der heute von vielen als unabwendbare Auswirkung einer naturgegebenen "Globalisierung" angesehen wird. Auf der Konferenz von Bretton Woods wurde 1944 unter Beteiligung von 45 Nationen (darunter auch die UdSSR) ein System fester Wechselkurse eingeführt7, das mit der Garantie der USA, jeden Geldbetrag jederzeit in Gold einzutauschen und der gleichzeitigen Gründung des internationale Währungsfonds (IWF) die Stabilität eines internationalen Finanzsystems garantieren sollte. Seit den 70er Jahren wurde dieses System internationaler Übereinkünfte, das mit Kapitalverkehrskontrollen und festen Wechselkursen eine Zeit der finanzökonomischen Stabilität begleitet hat Stück für Stück ausgehöhlt. Nach dem Aufkündigen der Übereinkünfte von Bretton Woods durch die USA kam es zu einer zunehmenden Liberalisierung der Finanzmärkte mit den aktuellen Auswirkungen und Risiken. Huffschmid beschreibt wirtschaftliche neoliberale Globalisierung als Rücknahme oder "Deregulierung" bereits existierender Regulierungssysteme, die bei aller berechtigten Kritik immerhin ein erster Schritt zu einer internationalen demokratischen Kontrolle der Weltwirtschaft waren. Er stellt die These auf, daß das was wir heute als Globalisierung kennen lernen die Folge dieser bewussten politischen Entscheidungen sind.
Fußnoten 1Diese Technologien sind nicht der Auslöser von Globalisierungsprozessen, sondern vielmehr Motor und Spiegel von Globalisierung. Die Prozesse und Auswirkungen von Globalisierung sind vor allem Ergebnis politischer Entscheidungen. Diese Entwicklung z.B. mit einen unaufhaltsamen technischen Fortschritt zu erklären, übersieht die konkreten Interessen der Akteure der Globalisierung und die Tatsache, dass Politik immer von Menschen gemacht wird. 2Viele Unternehmen stecken natürlich tatsächlich in einem Dilemma. In einer Situation, in der der der Wert eines Unternehmens durch den so genannten Shareholder Value (also dem Wert für den Aktieninhaber) bestimmt wird, werden Unternehmen bei Strafe des Kapitalabzugs und sinkenden Aktienkursen von den Anlegern gezwungen, eine international wettbewerbsfähige Rendite zu erwirtschaften. 3Lohnnebenkosten sind die von den Unternehmen zu Zahlenden Anteile (Arbeitgeberanteil) an Sozial-, Renten- und Krankenversicherung, sowie andere Leistungen des Arbeitgebers, wie z.B. Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Infos zu Lohnnebenkosten: Lohnnebenkosten senken heißt Leistungen kürzen http://domino.metaller.at/gmbe/info.nsf/?OpenDocument Lohnnebenkosten sind Sozialleistungen!: http://www.kpoe.at/ooe/texte/nebenkosten.htm 4Jörg Huffschmid: Politische Ökonomie der Finanzmärkte, Hamburg: VSA-Verlag. Eine Zusammenfassung des Buchs findet sich unter: http://www.local.attac.org/berne/agi/docs/Huffschmid_Zusammenfassung.pdf oder (noch kürzer) http://whttp://www.bundestag.de/ftp/pdf_arch/au_14_10.pdf (Beides als PDF-Dokument). 5Die unglaubliche Wachstumsdynamik der Finanzmärkte kann durch den Vergleich der weltweiten Devisenumsätze veranschaulicht werden: Während 1980 täglich gerade mal 80 Mrd. $ umgesetz wurden, sind es Anfang des neuen Jahrtausends 1500 Mrd. $. Vgl. Oliver Moldenhauer, Attac-Deutschland, http://www.attac-netzwerk.de/vortraege/folien_oliverm.pdf, Jörg Huffschmid, Politische Ökonomie der Finanzmärkte, Hamburg 1999. 6Ebd. 7Vgl. Uwe Anderson u. Wichard Woyke: Handwörterbuch Internationale Organisationen, 2. Aufl., Opladen 1995, S. 222.ff. |
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