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Der dritte Bereich, in dem wir Veränderungen feststellen können, bezieht
sich auf die Bildung, ihre Politik und ihre Insitutionen wie z.B.
Schule. Der in letzter Zeit immer stärke an Bildung herangetragene
Anspruch, diese könne bei der Bewältigung der hohen Arbeitslosigkeit
ihren Beitrag leisten, führt in der Tendenz zu einer stärkeren Ausrichtung
von Bildungsinhalten an Erfordernisse des Arbeitsmarktes.
Diese Entwicklung scheint auf den ersten Blick plausibel zu sein,
schließlich ist die individuelle Chance, mit einem guten Bildungshintergrund
einen Arbeitsplatz zu bekommen offensichtlich größer. So treten überall
Kooperationen zwischen Wirtschaft und Schule auf den Plan, die beispielsweise
die Verbesserung der»Ausbildungsfähigkeit« zum Ziel haben sollen.
Neben der Tatsache, dass eine bessere Bildung von wenigen Ausnahmen
abgesehen noch keine neuen Arbeitsplätze schafft, sondern eher die
Konkurrenz zwischen den Bewerbern forciert, führt diese Entwicklung
dazu, dass Bildung in erster Linie ein Mittel zum Zweck wird, auf
dem Arbeitsmarkt bestehen zu können.
Der Aspekt von Bildung, der helfen könnte, ein erfülltes und glückliches
Leben zu führen, sich die eigene Welt zu erschließen und in ihr gesellschaftlich
und politisch zu handeln verliert demgegenüber an Bedeutung. Dazu
würde nämlich gehören, zu lernen, sich mit der gegenwärtigen Situation
politisch auseinander zu setzen und Möglichkeiten zu bekommen, diese
Arbeitsgesellschaft mit zu gestalten.
Und dazu würde nicht zuletzt auch gehören, zu lernen, wie man ein
Leben auch ohne Erwerbsarbeit leben kann, ohne dass dies ausschließlich
defizitär besetzt wäre. Eine Erziehung und Bildung fast ausschließlich
im Hinblick auf einen Arbeitsmarkt, von dem später 20 % ausgeschlossen
bleiben, ist zynisch.
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Carsten-Ungewitter-November-2001
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