| |
|
|
|
Next: Verändertes Verhältnis zur Bildung: Up: Jugendberufshilfe und Schule Previous: Veränderte Arbeitsgesellschaft Das Verhältnis zur eigenen BiographieDas zweite Thema, das in diesem Kontext von entscheidender Bedeutung ist, betrifft die Biographie Jugendlicher und das individuelle Verhältnis zum eigenen Lebensverlauf. Offensichtlich ist, dass die Möglichkeiten der Gestaltbarkeit der eigenen Biographie in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts stark zugenommen haben. Es gibt wesentlich größere Variationsmöglichkeiten, die der einzelne bei seiner Lebensgestaltung in Betracht ziehen kann. Es gibt eine große Zahl möglicher Bildungswege, eine Vielfalt von Berufen und außerberuflichen Betätigungsmöglichkeiten. Ich kann in anderen Ländern arbeiten, ein Babyjahr machen, meinen Beruf wechseln etc. Das muss ich im Einzelnen nicht weiter erläutern. Diese Entwicklung ist aber nicht unwidersprüchlich. Tatsächlich unterliegen viele dieser Möglichkeiten einem hohen Normierungsdruck. Vieles von dem, was vordergründig als Chance, als freiwillige Möglichkeit erscheint, ist tatsächlich von so großer Wichtigkeit für eine Berufskarriere, dass das, was wie eine ungeahnte Vielfalt an Möglichkeiten aussieht, eher eine Bedingung für beruflichen Erfolg ist. Die Möglichkeiten haben sich zwar vervielfacht, die Ausrichtung und die Zweckbestimmung dieser jedoch nicht. Dies hat starken Einfluss auf das Verhältnis, das der Einzelne zu seinem eigenen Lebensverlauf hat. Biographie unterliegt also auch hier einem gestiegenen Druck, insofern sie selbst quasi zum Aushängeschild wird für Qualifikation und Erfahrung. Der Einzelne gewinnt in dieser Entwicklung ein zunehmend instrumentelles Verhältnis zu seiner eigenen Biographie. Bestimmte Erlebnisse, Betätigungen, Ereignisse gewinnen vor diesem Hintergrund eine ganz neue Qualität. Sie sind nicht mehr in erster Linie existenzielle Lebenserfahrung, sondern sind Erfahrung für etwas. Vor diesem Hintergrund läuft selbst politisches und soziales Engagement Gefahr, nicht mehr für sich selbst zu stehen und einen eigenen Wert zu haben, sondern gut zu sein für die eigenen Karriere. Ich möchte Ihnen das etwas verdeutlichen: Immer öfter wird betont, dass soziales und politisches Engagement die soziale Kompetenz befördert. Dies wird nicht nur deswegen betont, weil es im gemeinschaftlichen Zusammenleben erstens schön ist, sich für eine Gemeinschaft zu engagieren, und zweitens hilfreich ist, mit den Mitmenschen sozial kompetent (man könnte auch sagen: freundlich, zuvorkommend, hilfsbereit, fähig zur Konfliktlösung) umgehen zu können, sondern vor allem, weil soziale Kompetenz auf dem»Arbeitsmarkt« als wichtige Schlüsselqualifikation angesehen wird - gemeinsam mit einigen anderen. Die Gefahr sehe ich dabei, dass es immer weniger Dinge im Leben gibt, die für sich stehen, für sich genossen werden können und für sich zu einem glücklichen und zufriedenen Leben beitragen. Vieles von dem, was im Leben eine Rolle spielt scheint sich an den Voraussetzungen zu orientieren, konkurrenfähig zu sein und beruflichen Erfolg zu haben. Die eigene Biographie orientiert sich in diesem Kontext also stark an den Rahmenbedingungen unserer Arbeitsgesellschaft und unseres Arbeitsmarktes. Erfolg im Beruf scheint so zu einer Bedingung der Möglichkeit eines zufriedenen und guten Lebens zu sein, was auch bedeutet, dass vor dem Hintergrund einer hohen Arbeitslosigkeit und einer ungewissen Zukunft unserer Arbeitsgesellschaft die Möglichkeiten dazu zwangsläufig begrenzt sind und nicht allen offen stehen.
Next: Verändertes Verhältnis zur Bildung: Up: Jugendberufshilfe und Schule Previous: Veränderte Arbeitsgesellschaft Carsten-Ungewitter-November-2001 |
||
|
|
|
Kinder (er)leben Demokratie - Förderung demokratischer Kompetenzen bei Grundschulkindern
Zum dritten Mal in Folge lud der DisKurs e.V. ...
Bestellen Sie den Begleitband zur Ausstellung "Sommer und Saale - Geschichte der Jenaer Flussbäder"
Begleitband
Der Film ist fertig. Premiere war am 21. Mai 2003 im Kinoklub am Hirschlachufer in Erfurt.
Perspektiven
Perspectives