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Next: Das Verhältnis zur eigenen Up: Jugendberufshilfe und Schule Previous: Jugendberufshilfe und Schule Veränderte ArbeitsgesellschaftDas erste Thema betrifft die Veränderungen unserer Arbeitsgesellschaft. Dies ist eine umfassende und komplexe Debatte, die ich hier nur anreißen kann. Vielleicht seit Anfang der 80er Jahre gibt es innerhalb der Sozialwissenschaften eine verstärkte Auseinandersetzung mit der Geschichte und der Entwicklung dessen, was für uns heute in Form von Lohnarbeit allgegenwärtig ist. So allgegenwärtig, dass wir uns selten bewusst machen, dass diese Form der Arbeit ein vergleichsweise neues Phänomen ist, das erst im 19. Jahrhundert entstand. Aber eben diese, für uns so selbstverständliche und trotz 4 Millionen Erwerbsloser aus unserem Leben kaum noch wegzudenkende Form der Lohn- bzw. Erwerbsarbeit, die nicht nur die Identität des Einzelnen, sondern auch den persönlichen und gesellschaftlichen Lebensrhythmus sowie eigentlich das gesamte soziale Leben dominiert, steckt in der Krise. Zumindest momentan wird nur ein Teil der zur Verfügung stehenden Arbeitskräfte überhaupt gebraucht. In Deutschland sind es 10-25 %, wenn man die sogenannte versteckte Reserve des Arbeitsmarktes hinzurechnet, die offensichtlich nicht gebraucht werden. Und während also die Gesamtmenge der Lohnarbeit abnimmt1, nimmt die individuelle Bedeutung von Erwerbsarbeit keineswegs ab - sondern eher im Gegenteil. Nach der Devise: was knapp ist, ist viel wert. Vor dem Hintergrund einer verschärften Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt, einer großen Anzahl von BewerberInnen pro Ausbildungsstelle, können wir entsprechend einen veränderten Umgang in den Bereichen Arbeit und Berufswahl, sowohl in Schule als auch in der Familie beobachten. Die Frage, ob man selbst, seine SchülerInnen oder seine Kinder eine Ausbildungsstelle oder einen Arbeitsplatz bekommen gehört mit zu den wichtigsten. Gleichzeitig gibt es immer weniger Lebensbereiche, die nicht monetarisiert sind, d.h. die nicht der wirtschaftlichen Logik unterworfen sind. Erwerbsarbeit entscheidet daher in hohem Maße über die Möglichkeiten der Teilnahme am gesellschaftlichen Leben, an der politischen und zivilgesellschaftlichen Partizipation. Innerhalb dieses Dilemmas spielen sich auch die Überlegungen Jugendlicher zur Berufswahl ab. Wie die Zukunft aussehen wird, ist dabei kaum absehbar. Wird ein erneuter Produktivitätsschub in den Bereichen der Dienstleistungen die demographischen Veränderungen überwiegen? Wird es in Zukunft noch mehr Arbeitslose geben? Oder führt ein Rückgang der Geburtenzahlen dazu, dass auch die Arbeitslosenquote sinkt? Wer sich hier auf einfache Rechnungen beruft und glaubt, sichere Prognosen wagen zu können, muss unseriös erscheinen. Wir wissen es schlichtweg nicht. Die Debatte über das Ende der Erwerbsarbeitsgesellschaft bzw. über die Zukunft der Arbeit wird daher andauern. Eines jedoch ist so gut wie sicher: Ein lebenslanger Arbeitsplatz wird in Zukunft eher die Ausnahme sein, ebenso wie das sogenannte »Normalarbeitsverhältnis«. Wir werden eine weitere Flexibilisierung erleben - ob wir wollen oder nicht. Wir werden die Nebenwirkungen dieser Entwicklung erleben, wir werden die Umstrukturierung und den Abbau sozialer Sicherungssysteme erleben. Und wir werden eine weiter zunehmende Dominanz marktwirtschaftlicher Gesetzmäßigkeiten in den verschiedenen Lebensbereichen erleben, ob das nun Krankenversicherung oder Rentenversicherung, soziale Dienste oder Bildung sind. Dies bedeutet auch, dass der Teil, der nicht an der Erwerbsarbeitsgesellschaft teilnehmen kann, hier von vorne herein ins Hintertreffen gerät. Jugendliche müssen sich mit diesen Entwicklungen auseinander setzen. Sie müssen die Möglichkeit bekommen, sich die Debatte anzueignen und die Zukunft mitzugestalten. Sie müssen die Risiken unserer Gesellschaft kennen lernen, genauso wie die Chancen, die eine damit ebenfalls einhergehende Freiheit bietet. Eines sollen sie meines Erachtens nicht: Sich blind an die sogenannten Erfordernisse des Arbeitsmarktes anpassen. Sie sollen gestalten, nicht die Krisen managen. Sie sollen Visionen haben, anstatt frühzeitig die Frustration zu erleben, den Anforderungen nicht zu genügen und als Mensch nicht viel wert zu sein, weil sie für den Arbeitsmarkt nicht taugen.
Footnotes
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Der Film ist fertig. Premiere war am 21. Mai 2003 im Kinoklub am Hirschlachufer in Erfurt.
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