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Next: Dilemmata der schulischen Bildung Up: Arbeit, Schule und Ökonomie Previous: Welche Rolle soll die Soll die Zukunft genau wie die Gegenwart bleiben?Ein Zeichen der Zeit, das in den letzten 10 Jahren eine grundlegende Erfahrung für viele Menschen ist, ist die Veränderung und Beschleunigung. Was früher galt, scheint heute nicht mehr zu gelten, nicht mehr von Wert zu sein. Viele Biographie scheinen nach der Wende wertlos geworden zu sein, nur mehr für Nostalgiker von Interesse, kurz: kaum noch erzählbar. Von Wert sind sie nur insofern, als in ihnen von der Anpassungsfähigkeit an veränderte Bedingungen erzählt wird: Umzüge in andere Länder, Auslandsaufenthalte, Umschulungen, Firmengründungen. Parallel zu den Veränderungen in den individuellen Lebensläufen lassen sich auch in der Arbeitswelt Veränderungen finden, Veränderungen der Beschäftigungs- und der Produktionsverhältnisse, die allgemein bekannt sind. (Neue Selbstständigkeit, Arbeitskraftunternehmer, Arbeitszeitflexibilisierung, Mitarbeiterbeteiligung auf Kapitalbasis). Wie verhält sich die Schule zu diesen Veränderungen, eine Schule, die laut Schulgesetz neben der Vermittlung von Allgemeinwissen, auch die Voraussetzungen für eine qualifizierte berufliche Tätigkeit schaffen soll? Das Gute an der Propagierung von neuen Berufen (Softwareentwickler, Kommunikationsfachmann/fachfrau u.ä.), an der Betonung von Orientierungs- statt Faktenwissen, an der Propagierung von Mobilität ist, überhaupt auf die Veränderungen zu reagieren. Diese Anpassung an die Anforderungen der Wirtschaft sind insoweit im Interesse der Jugendlichen, als sie zu deren individuellen Erfolg beitragen. In Kauf genommen wird damit aber auch ein Stück weit der Verzicht auf Innovationen, die in eine ganz andere Richtung gehen könnten. Die Jugend ist unsere Zukunft, heißt es. Welche Bedeutung das für Arbeitsweltbezogene Bildung haben kann, wird vielleicht deutlicher, wenn man sich folgende Frage stellt: Ist unsere Gegenwart so gut, dass wir sie den Jugendlichen so massiv und so genau vorführen wollen, dass über sie hinaus nichts anderes mehr vorstellbar ist?? Die Logik gängigen Wirtschaftens ist eine Austauschlogik nach einem auf Gewinn ausgerichteten Nutzenkalkül. Ein Bestreben scheint zu sein, dass Jugendliche bspw. in Schülerfirmen, Planspielen u.ä. handlungsorientierten Bildungsformen genau diese Logik einüben. Darauf ausgerichtet werden die Inhalte vermittelt, werden die Szenarien entworfen. Im Spielverlauf auftauchende Probleme werden als Fehler und Schwachstellen gedeutet, die prinzipiell innerhalb der entsprechenden Logik gelöst werden können. Erfolg ist wirtschaftlicher Erfolg, soziale Ungleichheiten werden entweder ausgeblendet oder mangelnden individuellen Fähigkeiten angerechnet. Auch hier die Logik des Rechnens: es gibt eine Plus- und eine Minusseite und entscheidend ist der übrig bleibende Gewinn. Negative Seiten müssen in kauf genommen werden: so ist das Leben. Aber soll es auch immer so bleiben?? Der WDR berichtet am 28. April 2001 über den neuesten Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung:
Der erste Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung hat das bestätigt, wovor viele Sozialverbände seit Jahren gewarnt haben: Die Kluft zwischen arm und reich ist größer geworden. 13.000 Einkommensmillionären stehen fast drei Millionen (genau 2,9) Sozialhilfeempfänger gegenüber. Die Zahl der überschuldeten Haushalte stieg in vier Jahren um fast ein Drittel.Von welcher Art das Verhältnis von Wirtschaft und Sozialer Ungleichheit ist, sei dahingestellt. Aber dass sie in einem Verhältnis zueinander stehen, kann kaum bestritten werden. Zunehmend sind auch Jugendliche an diesem Thema interessiert, was dem gemeinhin unterstellten Desinteresse an Politik widerspricht. Und wer sich anderes vorstellen will,- will der oder die nicht vielleicht auch ganz anders und nach einer anderen Logik leben?? Dies ist in den Empfehlungen des thüringer Kultusministeriums für die Berufswahlvorbereitung auch explizit als Ziel angesprochen: die Entwicklung von Modellen für einen veränderten Lebensstil. Fraglich ist allerdings, ob neue und veränderte Modelle mit denjenigen entwickelt werden können, die gerade für die marktwirtschaftliche Logik stehen? Um auf das vorher Genannte zurückkommen: die Jugend ist unsere Zukunft vs. Wirtschaft verändert sich. Ja, die Wirtschaft verändert sich. Sie verändert sich auch, ohne dass wir etwas dazu tun. Aber wenn wir so etwas wie soziale Gerechtigkeit wollen, wird das nicht von allein kommen, sondern einer entsprechenden Einsicht und des solidarischen Engagements bedürfen. Wenn die Wirtschaft zukünftig auch in diesem Sinne verändert werden soll, ist es also nötig, andere als Aufwand-Nutzen-Logiken auch in die wirtschaftlichen Zusammenhänge einzubringen. Es gibt sie nämlich. Und neben der Erkenntnis des Funktionierens unseres gegenwärtigen Wirtschaftssystems wird es im Sinne einer gerechten Zukunft nötig sein, offene Räume zu schaffen, in denen nicht das Ergebnis schon feststeht, in denen sich Schülerinnen und Schüler nicht einfach in vorgebene Strukturen einpassen, sondern Phantasie entwickelen, wie es auch sein könnte. Für unsere Gesellschaft insgesamt wäre es fatal, wenn Kreativität, Innovationsfreudigkeit und Flexibilität nur insofern entwickelt werden, wie es für den unternehmerischen Erfolg von Interesse ist. Kreativität ist gerade das, was sich nicht kanalisiert entwickeln läßt, sondern das, was auch grundsätzliche Bedingungen infrage stellt. Wenn dieser Raum selbst in der Schule als dem Bildungsort von Jugend (ich erinnere: "Die jugend ist unsere Zukunft!") nicht mehr eröffnet wird, ist das letztlich auch für die Wirtschaft, die ja gerade solche Eigenschaften zunehmend fordert, kontraproduktiv und weder im Interesse der Persönlichkeitsentwicklung des Einzelnen, noch der Entwicklung der Gesamtgesellschaft zu mehr Solidarität und Gerechtigkeit. Fragen, die sich in diesem Zusammenhang konkret stellen, aber nicht von mir beantwortet, sondern vielleicht im Anschluß gemeinsam weiterentwickelt werden können, betreffen auch Ökonomie als Thema von Bildung:
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