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Next: Soll die Zukunft genau Up: Arbeit, Schule und Ökonomie Previous: Arbeit, Schule und Ökonomie Welche Rolle soll die Wirtschaft in der Schulbildung spielen?Wieso sind wir überhaupt hier auf diesem Workshop im Rahmen des Projekts Trans-Job, welches mit Förderung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung von der Stiftung der Deutschen Wirtschaft ausgerichtet wird? Wie ist diese Weiterbildung zustande gekommen? Ein Hintergrund für Veranstaltungen wie diese ist die "Vereinbarung über die Gestaltung der Zusammenarbeit zur weiteren Verbesserung der Ausbildungsfähigkeit, insbesondere der Abgänger der Regelschulen im Freistaat Thüringen", mit der im August 1999 das Kultusministerium, die Landesarbeitsgemeinschaft Schule-Wirtschaft, verschiedene Arbeitgeberverbände, Gewerkschaften, Träger der Jugendhilfe sowie Eltern- und Schülervertretungen eine engere Zusammenarbeit vereinbarten. Gesellschaftlicher Hintergrund sind eine angespannte Ausbildungsplatzsituation und sich verschärfende Kriterien der Betriebe bei der Auswahl von Auszubildenden. Das Ziel ist, die Ausbildungsfähigkeit der Schulabgänger zu verbessern. Angenommen wird also folgendes: die Auswahl von Bewerberinnen und Bewerbern für Lehrstellen ist härter geworden und die Jugendlichen hätten bessere Chancen, wenn sie besser qualifiziert wären. So gut sie vielleicht schon ist, die Ausbildungsfähigkeit, also die persönlichen Voraussetzungen ausgebildet werden zu können, müssen verbessert werden. Auch wenn dazu in der genannten "Vereinbarung ..." nicht ausdrücklich etwas gesagt wird, das Problem ist eins, das die ganze Gesellschaft betrifft und nicht nur die einzelnen betroffenen Schüler! Kann man annehmen, dass nach der Verbesserung der Ausbildungsfähigkeit alle oder auch nur mehr Schulabgänger als bisher eine Lehrstelle bekommen könnten. Die Zahl der Schulabgänger verglichen mit den Zahl der Lehrstellen scheint dem zu widersprechen. Unter diesem Gesichtspunkt ist auch nicht klar, was mit folgendem gemeint ist: "Dabei ist es eine besondere Aufgabe den Jugendlichen, die von den allgemein bildenden Schulen abgehen, Perspektiven aufzuzeigen und auf Lebens- und Berufschancen hinzuweisen." Es soll nicht in Abrede gestellt werden, dass eine Beratung von Jugendlichen über verschiedene Berufsfelder und entsprechende Anforderungen sinnvoll ist. Das ist die klassische Berufsberatung und wird schon lange gemacht. Trotzdem hat sich die Jugendarbeitslosigkeit erhöht bzw. auf hohem Niveau stabilisiert. Eine mögliche Lesart der angesprochenen Hinweise auf Lebens- und Berufschancen ist, Schülerinnen und Schüler darauf hinzuweisen, mit welchen Berufen sie die meisten Aussichten haben, später einen der umkämpften Arbeitsplätze zu bekommen und wie sie sich verhalten müssen, um diesen tatsächlich zu bekommen,- was sie tun müssen, um den Anforderungen von Betrieben gerecht zu werden. Darüber hinaus kann man sich fragen, ob dabei Lebens- und Berufschancen als identisch angesehen werden. Wird vorausgesetzt, dass es für ein - sagen wir - erfülltes Leben notwendig oder zumindest wünschenswert ist, einen Arbeitsplatz zu bekommen, egal was es "koste"? Das wäre - wieder in Anbetracht des gegenwärtigen Verhältnisses von Bewerber- zu Lehrstellenzahlen (zumindest in den neuen Bundesländern) fatal: was sollen diejenigen von sich selbst halten, die keine Lehr- oder später Arbeitsstelle finden, die die vorgegebenen Anforderungen nicht erfüllen können oder wollen? Und was werden andere von ihnen halten? Andere, die sich selbst anpassen und sehen, dass manche das nicht tun. Sie selbst also vielleicht Opfer bringen, "weil es doch nicht anders geht" und andere "nur auf der faulen Haut liegen - und dafür auch noch Geld bekommen". Aber gehen wir davon aus, dass mit diesem Programm nicht Konflikte provoziert werden sollen: Konflikte innerhalb der einzelnen Schulabgänger zwischen der übernommenen Idealvorstellung, in einem klassischen Arbeitsverhältnis zu arbeiten und dem, was real möglich ist bzw. Konflikte zwischen den Jugendlichen, die dem Ideal der erwerbsarbeitenden Bevölkerung entsprechen und denen, die keiner Erwerbsarbeit nachgehen. Was ist dann das Ziel? Schauen wir, welche konkreten Projekte gefördert werden sollen. Voran gebracht werden sollen Projekte, die die beteiligten Verbände und Institutionen selbst ausrichten und inhaltlich gestalten, in denen sie als die "Experten" mit großer Nähe zur wirklichen Berufswelt auftreten. Schule soll sich für die Wirtschaft öffnen. Desweiteren werden die bekannten Schüler- und LehrerInnenbetriebspraktika genannt, mit denen Einsichten in künftige Berufstätigkeiten vermittelt und entsprechende Anforderungen deutlich gemacht werden sollen. Doch nocheinmal: was wäre, wenn alle diese Anforderungen kennen und sie erfüllen können?- Gäbe es dann mehr Ausbildungs- und Arbeitsplätze?? Das wäre vielleicht ein Vorteil, für den auch einige Nachteile in Kauf genommen werden könnten. Mit empirischen Forschungen konnte aber gerade kein Zusammenhang zwischen der Qualifikation der Bewerber und der Anzahl der Lehrstellen nachgewiesen werden. Obwohl es dem Alltagsempfinden widerspricht: ein einzelner mag leichter eine Lehrstelle oder einen Arbeitsplatz finden, wenn er besser qualifiziert ist. Das lässt sich aber nicht auf die Gesellschaft im Ganzen hochrechnen. Was sich auch in unseren Seminaren gezeigt hat, ist folgendes: Lehrerinnen und Lehrer, die bei ihren Vorbereitungen von Betriebspraktika u.ä. Kontakte zu regionalen Firmen knüpfen konnten, verschafften ihren Schülerinnen und Schülern besser Voraussetzungen bei der Ausbildungssuche. Schüler hatten dann leichter Zugang zu Betriebspraktika und konnten dort Qualifikationen erwerben, die andere eben nicht hatten. Aber immer wird es auch genau diese anderen geben. Obwohl es also auch bei besserer Qualifikation nicht für alle mehr Ausbildungsplätze gibt, bleiben die Auswirkungen der engeren Verzahnung von Wirtschaft und Bildung auf die schulische Praxis insgesamt bestehen. Was das konkret heißen kann, wird an einem anderen explizit genannten Vorhaben deutlich: "Inhaltliche und organisatorische Gestaltung von Wettbewerben und Leistungsvergleichen. Die Verbände und Institutionen rufen eigene Wettbewerbe und Leistungsvergleiche ins Leben oder beteiligen sich an der Organisation und inhaltlichen Gestaltung von Wettbewerben und Leistungsvergleichen im außerunterrichtlichen Bereich, insbesondere auf den Gebieten Mathematik, Deutsch, Technik und Berufswahlvorbereitung." Wettbewerbe und Leistungsvergleiche. Beides sind eindeutig Konkurenzsituationen mit Siegern und Verlierern. Nur der Beste gewinnt, das weiß jeder - auch wenn noch von zweiten, dritten, vierten und so und so vielten Siegern die Rede ist. Es geht um`s gewinnen. Das bekannte "Leistung muss sich wieder lohnen!" schwingt da ganz offensichtlich mit. Das Ziel ist, besser zu sein, als die anderen. Interessant dabei ist noch, womit wir uns später noch genauer beschäftigen können: der teamcharakter mancher Wettstreite. Manche sind so aufgebaut, dass nur ein team zum Erfolg kommen kann. Eventuell gibt es also innerhalb des teams noch soetwas wie Kooperation. Wovon aber nicht mehr die Rede ist - denn letztlich geht es doch um den Erfolg ist: Solidarität. Sie ist nicht vorgesehen.1 Um die Bedeutung dieser Logik deutlich zu machen, ist es m.E. sinnvol, wenn sie sich ein soziologisches Gesellschaftsmodell in Erinnerung rufen. Gemeinhin wird davon ausgegangen, dass sich moderne Gesellschaften dadurch auszeichnen, das es in ihnen verschiedene separate Systeme gibt, die nach unterschiedlichen Kriterien funktionieren, in denen nach unterschiedlichen Logiken gehandelt wird. Eines dieser Systeme ist die Wirtschaft. In ihr kommt es auf Effizienz, Gewinnmaximierung und Erfolg an. Demgegenüber ist Bildung ein ganz anderes System. Nach dem Thüringer Schulgesetzt (6. August 1993, §2, Abs. 1) sollen "die Schüler lernen, ihre Beziehungen zu anderen Menschen nach den Grundsätzen der Gerechtigkeit, der Solidarität und der Toleranz sowie der Gleichberechtigung der Geschlechter zu gestalten. Dabei werden die Schüler darauf vorbereitet, Aufgaben in Familie, Gesellschaft und Staat zu übernehmen und dazu angehalten, sich im Geiste des Humanismus und der christlichen Nächstenliebe für die Mitmenschen einzusetzen. Die Schule fördert den Reifungsprozess der Schüler zur Ausbildung seiner Individualität, zu Selbstvertrauen und eigenverantwortlichem Handeln." M.E. können praktische Solidarität, Gerechtigkeitsempfinden, tolerantes Denken und Handeln, wie sie im Schulgesetz genannt sind, nicht erlernt werden, wenn Schülerinnen und Schüler im Wettstreit miteinander stehen. Jedenfalls können es so nicht alle erlangen. Denn Solidarität ist etwas anderes, als das die Erfolgreichen z.B. etwas von ihrem materiellen Reichtum, mit dem Erfolg nach wirtschaftlicher Logik ja verbunden ist, abgeben. Sondern Solidarität hieße, sich dafür einzusetzen, dass diejenigen, die weniger Erfolg haben, nicht vom gesellschaftlichem Leben ausgeschlossen werden. Gesellschaftliches Leben ist in vielen Bereichen aber entweder direkt vom nötigen Geld abhängig oder auch indirekt, wenn man sich den Einfluß von Arbeitslosenverbänden anschaut und den Stellenwert, den Erwerbslosen-Projekte wie z.B. Straßenzeitungen u.ä. haben. Straßenzeitungen werden doch eher belächelt, als dass sie als Versuch, sich an öffentlichen Diskussionen zu beteiligen, wahrgenommen werden. Sehr wohl gibt es Ansätze, diesen Entwicklungen entgegenzuwirken. Sie kennen alle die immer stärker betonten Schlüsselqualifikationen der Selbst-, Sozial-, Methoden- und Sachkompetenz, auf die ich später noch zu sprechen kommen werde. Vielleicht ist leichter, Jugendliche auf eine in vielen Bereichen immer stärker wirtschafts- und leistungsorientierte Gesellschaft vorzubereiten, indem man auch Bildung noch stärker leistungsorientiert organisiert. Wenn das aber dazu führt, für die Beschäftigung von Jugendlichen mit Themen wie Wirtschaft, Berufswahl und Lebensplanung die Effizienzkriterien der Wirtschaft zu übernehmen und ökonomische Prinzipien, die zur Zeit praktiziert werden, als prinzipiell alternativlos und universal geltend darzustellen, geht eine wichtige Funktion von Jugend für die Gesellschaft insgesamt verloren, auf die ich jetzt zu sprechen kommen möchte.
Footnotes
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Kinder (er)leben Demokratie - Förderung demokratischer Kompetenzen bei Grundschulkindern
Zum dritten Mal in Folge lud der DisKurs e.V. ...
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Der Film ist fertig. Premiere war am 21. Mai 2003 im Kinoklub am Hirschlachufer in Erfurt.
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