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Next: Geschichten als Handlungsbegründungen - Up: Wilhelm Schapp & das Previous: Geschichten nicht nur als Gesellschaftliche Geschichten und Selbstgeschichten Geschichten als SinnvorratDie Geschichten dieser Welt, die, die erzählt werden, die die in Literatur und Kunst kondensiert sind, die, die als Soap-Operas massenmedial verbreitet werden, alle bekannten Geschichten bilden einen schier unbegrenzten Sinnvorrat mit dessen Hilfe ich meine eigene Geschichte verorten und erzählen kann. Erzählbar wird die eigene Geschichte nur, wenn ihre Horizonte an die Horizonte bekannter (Fremd-)geschichten anschließen. Das ist die Grundbedingung für Verstehen. Verstehen heißt: auf gemeinsame Geschichten Bezug nehmen zu können, mit der Voraussetzung, in gemeinsame Geschichten verstrickt zu sein. Schapps Geschichtenphilosophie liefert einen Erklärungsansatz dafür, wie Deutungsmuster subjektiv repräsentiert oder verankert sein können. Sie hilft das Subjekt-Objekt-Problem zu klären, indem sie zeigt, daß Selbst- und Fremdgeschichten prinzipiell der gleichen Struktur unterliegen. Die Selbstgeschichten nehmen in dem Netz der Geschichten keine exponierte Stellung ein. Ich knüpfe beim Erzählen an sie an, wie ich auch an Fremdgeschichten oder gesellschaftliche Geschichten anknüpfe. Ein Beispiel
[Passage 3, Peters 36:51]
folgendes sagen, 56 Jahre bin ich jetzt (.) und (.) die ersten (.) Kontakte (.) zur Arbeit (..) spielerischer Art warn als ich so sechs sieben Jahre war und wir noch (.) ein Grundstück hatten, damals zugeteilt nachm Krieg /I: hm// zur Lebenserhaltung zum hinüberretten(.) in die (.) notwendichen Nahrungsmittelbeschaffung, die es damals war es gab ja nu wenig zu essen und so- und so weiter (..) so hatten wir ein Feld gehabt und wir meine Eltern un- hatten meinem Bruder und mir (.) angetragen schon zu versuchen n bißchen was in eigener Regie anzubauen, nachdem wirs abgekuckt hatten wies die Eltern gemacht haben (deutliches Luftholen) da haben wir uns dann (.) muß sagen mit recht viel Spaß (..) (1 Silbe) Früchte angebaut die sahen natürlich nicht so exakt aus wies bei den alten- Eltern warn aber wir haben dann gemerkt was wir selbst mit unseren eigenen Händen umgebuddelt haben war meine und ich konnte da was ernten. Wir wurden mehr oder weniger unter (..) Hunger (.) und und spielerischem (..) Trieb herangeführt unseren eigenen Lebensunterhalt mal mit anzubauen. /I: mh// und daß diese Not Zeit so hart wies damals war warDie Sequenz verweist auf die ursprünglichste Geschichte, die man mit Arbeit überhaupt in Verbindung bringen kann. Auf die Feldarbeit des Bauern, auf die Urgeschichte des Menschen und natürlich auf die Vertreibung aus dem Paradies. Hier steht sie ganz am Anfang der Erzählung der eigenen Biographie. Ein anderes Beispiel:
I: Hm können sie sich an ne Zeit erinnern wo sie (..) besonders drüber nachgedacht haben wo_ wozu wozu machen wir das oder was was ist eingentlich Arbeit oder wozu ist das gut oder
E: (2) Arbeit ist ja (.) Wozu Arbeit gut ist wenn wir nicht arbeiten würden wären wir noch auf der Steinzeit /I: hm // (..) Basis /I: hm// denn Arbeit heißt ja eigentlich weiter nichts wie sich weiterentwickeln (..) die Gesell-schaft entwickelt sich durch ihre Arbeitstätigkeit durch die Intelligenz des menschlichen Hirns immer weiter. / I: hm // Der Urmensch hat ja auch nicht gewußt als er n Faustkeil produzierte war das ja schon Arbeit /I: hm// nur er hats nicht gewußt daß es Arbeit ist das war nur für ihn ne Erleichterung und dieses hat sich eben bis heute fortgesetzt und heute wissen wir daß wir mit Arbeit unser Leben verschönern (.) verschönern und erleichtern /I: hm// können.Hier taucht am Horizont der Geschichten die eine große Geschichte auf, wie sie seit Jahrhunderten und Jahrtausenden - mal so, mal anders - erzählt wird. Die Menschheitsgeschichte. Fortschritt durch Arbeit, das ist, wie die Erzählung von Arbeit zur Sicherung des Lebensunterhaltes, oder Erwerbsarbeit als Teil der Normalbiographie ein Prototyp der Geschichten über Arbeit. Eine Analyse von Geschichten auf der Suche nach den Sinn- und Bedeutungszusammenhängen kann nach den Horizonten, den Schnittstellen, den Überschriften und Stichwörtern für neue und alte Geschichten suchen. Und sie kann nach der Gesamtgestalt der Erzählung fragen, um zu untersuchen, welche Geschichte auf ein Stichwort hin präsentiert wird.
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Der Film ist fertig. Premiere war am 21. Mai 2003 im Kinoklub am Hirschlachufer in Erfurt.
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