| |
|
|
|
Next: Wilhelm Schapp & das Up: Einleitung Previous: Einleitung Zunächst zu den Geschichten der Arbeit:Aus der Arbeitspsychologie und aus der Arbeitslosigkeitsforschung kennen wir die vielfältigen »Funktionen«, die das vielleicht gerade mal 250 Jahre alte Phänomen Erwerbsarbeit hat: Es ist in der Lage, unseren Tag zu strukturieren, es verschafft uns Anerkennung, Selbstwirksamkeitserleben und soziale Kontakte. Wichtiger als diese einzelnen Bausteine des Sinnkonstruktes »Erwerbsarbeit« scheint mir aber zu sein, daß eine »gute Erzählung« des Lebens für viele kaum möglich ist, ohne daß darin Erwerbsarbeit einen exponierten Platz einnimmt. Ulrich Enzensberger erzählt die verschollene Geschichte der Parasiten: »Unsere Ahnen sind so alt wie das Abendland. [...] Wörtlich ist Parasitos ein neben, mit oder bei einem anderen Essender. Kein Mensch hätte an eine Zecke, einen Kuckuck, einen Bandwurm, [...], an einen Bettler, einen Bonzen, an einen reichen Müßiggänger gedacht. Das Wort Parasit bezeichnete im antiken Griechenland einen hochgeachteten religiösen Beamten;« (Enzensberger, S. 13) »Niemand, der gerufen hätte: 'Geht doch Arbeiten'. Er wäre für verrückt erklärt worden.« (Ebd., S. 30) Die aktuellen Geschichten der Arbeit sind andere. Zum Beispiel diese, die ein Graviermeister, 56 Jahre alt erzählt:
[Passage 1, Peters 1093:1112]
hier war ichs auch hab hier Lehrlinge augebildet und da bin ich nun bis dreiundneunzig der Konkurs war hier da bin ich eben als Fremdberufler der nicht zum Porzellan gehört entlassen worden als nicht dazugehörig. es war eben en en Beruf der nicht zum Porzellan gehört wurde man wurden viele Entlassen ich war dabei (.) und da muß ich sagen da hab ich dasss kapitalistische System (.) hassen gelernt. das was was was wir jetzt haben. aber nicht hassen als Mensch sondern das System als solches in dem man sagt du bist du wirst jetzt nicht gebraucht (.) du bist erstmal draußen. ich hab mich gefühlt als es hieß du bist arbeitslos wie Müll. (..) Müll in dem Sinne ich bin auf der Straße lang und hab mir gesagt jeder muß doch dir ansehen daß du keine Arbeit hast. das innere Sicherheitsgefühl vorher wo du bist ja n mehr oder weniger stolz durch die Gegend gerannt und hast gesagt ich habe Arbeit ich kann was ich bin wer plötzlich wurdest du nicht mehr gebraucht. das warn Gefühl als des verb- inneren verbrennens-das ich ich hab mich minderwertig gefühlt. und ich hab mich in die Reihe gestellt dieser dreihundert Menschen die alle (.) entlassen wurden ich hab jeden angekuckt und hab gesagt Mensch Kinder sind wir denn wirklich nichts sind wir zu nichts zu gebrauchen sind wir (.) sind wir Müll sind wir Aussätzige wir können noch was. da hab ich den das System zum erstenmal was man uns gesagt hat, d- hier bist du Mensch (.) hier drüben nicht hier bist du eine Nummer und das wir hier in diesem System sind wir noch ne Nummer. ob sie auf die Bank gehen ob sie auf die Sparkasse gehen ob sie zum Arzt gehen Nummer sowieso. du bist ja (.) klar e- (2) das Gefühl (.)Vor dem Hintergrund der Vielstimmigkeit solcher und ähnlicher Geschichten, die zugleich Umbruch und Konstanz unserer Arbeitsgesellschaft markieren, möchte ich der Frage nachgehen, was »Sinn von Arbeit« bedeuten kann.
Next: Wilhelm Schapp & das Up: Einleitung Previous: Einleitung Carsten-Ungewitter-Februar-2002 |
||
|
|
|
Kinder (er)leben Demokratie - Förderung demokratischer Kompetenzen bei Grundschulkindern
Zum dritten Mal in Folge lud der DisKurs e.V. ...
Bestellen Sie den Begleitband zur Ausstellung "Sommer und Saale - Geschichte der Jenaer Flussbäder"
Begleitband
Der Film ist fertig. Premiere war am 21. Mai 2003 im Kinoklub am Hirschlachufer in Erfurt.
Perspektiven
Perspectives