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»Wir müssen den Mut aufbringen, den Exodus aus der Arbeitsgesellschaft
zu wagen« (Gorz 2000, S. 9) postuliert André Gorz emphatisch das
Ende unserer Arbeitsgesellschaft.
André Gorz ist eine der zahlreichen Stimmen, die eine neue Form des
Lebens und Arbeitens fordern, eine Wiederaneignung der Zeit und die
eine Grundlage für eine Lebensführung suchen, deren Sinnbezüge nicht
zum größten Teil in Erwerbsarbeit bzw. deren Implikationen des Warenkonsums
oder des Wettbewerbs zu finden sind.
»Aber nicht die Abschaffung der 'Arbeit' dürfen wir diesem [...]
System vorwerfen, sondern daß es eben diese 'Arbeit', deren Normen,
Würde und allgemeine Zugänglichkeit es abschafft, weiterhin als Pflicht
eines jeden, als verbindliche Norm und unersetzliche Grundlage unserer
Rechte und unserer Würde postuliert.« (Gorz 2000, S. 9).
Ein Großteil der Widersprüche unserer Erwerbsarbeitsgesellschaft ist
bei Gorz bereits aufgerollt:
Trotz abnehmender Notwendigkeit, den Rücken krumm zu machen, scheint
Erwerbsarbeit nichts von ihrem normativen Gehalt und wenig von ihren
Sinnbezügen verloren zu haben.
Die positiven und normativen Sinnbezüge von Erwerbsarbeit sind scheinbar
außerordentlich wirkmächtig und überaus resistent gegen Veränderungen.
Warum?
Diese Frage möchte ich aufgreifen und mit Passagen aus biographischen
Interviews, die im Rahmen meiner Diplomarbeit vor zwei Jahren entstanden
sind, illustrieren.
Theoretischer Rahmen ist die »Philosophie der Geschichten« von
Wilhelm Schapp, die ich in Ansätzen umreißen möchte, auf der Suche
nach der Frage, wie Sinn und Bedeutungskonstruktionen funktionieren
und vollzogen werden können.
Zum Schluß möchte ich einige Ideen zur politischen Bildungsarbeit
erläutern, die die Möglichkeit zur Auseinandersetzung mit Arbeit und
Beruf von Schülerinnen und Schülern betrifft.
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Carsten-Ungewitter-Februar-2002
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