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Sozialreportage Jena
[25.-28.10.1999]
(In Zusammenarbeit mit der Landeszentrale für
politische Bildung Thüringen)
Ziel der "Sozialreportage", dem ersten
Projekt des neu gegründeten DisKurs, war es, Jugendliche für
soziale Fragen in der Stadt zu interessieren und zugleich ein
politisches Thema mit Medienarbeit zu verknüpfen.
Über vier Tage in den Herbstferien 1999
recherchierten zehn Jugendliche zu verschiedenen sozialen Fragen in
Jena.
"Wie ist die Situation von Arbeitslosen in
Jena?", "Wie leben eigentlich Asylbewerber?", "Gibt
es Probleme in Verbindung mit Prostitution?" oder "Was
denken Jenaer Prominente über solche Themen?".
Einige TeilnehmerInnen z.B. machten sich auf den
schwierigen Weg zum Asylbewerberheim "Jena-Forst". Nicht
nur aufgrund der großen Entfernung war das nicht ganz einfach:
Zutritt haben nur Leute, die eine Einladung von Bewohnern oder eine
Genehmigung vom Landesverwaltungsamt haben. Die Genehmigung bekamen
sie natürlich nicht - schon gar nicht auf die Schnelle, aber
eine Einladung von Heimbewohnern konnte letztlich doch organisiert
werden. Aber daran, dass Jugendliche möglicherweise noch keinen
Personalausweis haben, hatte oben auf dem Forst noch niemand gedacht.
Besuch junger Leute gibt es scheinbar selten.
Die Idee, Medienarbeit mit inhaltlichen Themen zu
kombinieren, führte schließlich zu dem Konzept
"Stadtreportage". Das Stichwort "Reportage"
sagt, worum es dabei geht: Recherche und Veröffentlichung der
Ergebnisse. Und so überlegten sich die Schülerinnen und
Schüler nicht nur Fragen, die sie innerhalb der vier Tage
beantworten wollten, sondern lernten nebenbei auch, wie man die
Ergebnisse in Zeitung, Rundfunk oder Internet präsentiert. Die
Referenten lieferten dazu lediglich die Rahmenbedingungen und standen
mit Rat und Hilfe etwas zur Seite. Die Themen überlegten sich
die TeilnehmerInnen während des ersten Seminartages, inspiriert
von einigen Kurzinterviews mit Jenaer Bürgern und einem
ausführlichen Gespräch mit dem Sozialamtsleiter Ralph
Kühmstedt. Davon, wie hart Reporterarbeit im Alltag sein kann,
bekamen die Nachwuchsjournalisten in den beiden folgenden Tagen eine
Ahnung, in denen es hieß, nicht nur die Ergebnisse
zusammenzutragen, sondern auch Texte druckreif zu formulieren, eine
Radiosendung zu schneiden oder gar eigene Internetseiten zu
gestalten.
Aber zur Pressekonferenz, zu der die Jenaer
Zeitungen eingeladen waren, war dann doch (fast) alles fertig. Die
Teilnehmer, die zwischen 14 und 18 Jahre alt waren, wussten zu
berichten, wie es in Jena mit der Prostitution steht, sie hatten
Interviews mit Arbeitslosen geführt und Prominente befragt. Und
die drei vom Forst konnten auch die ersten Minuten der Radiosendung,
die am 17. November im Offenen Kanal Jena zu hören war,
präsentieren: "Besuch auf dem Jenaer Forst". Da
machte es dann auch nichts, dass Claudia so lange vor der hermetisch
abgeschirmten Erstaufnahmeeinrichtung für Asylbewerber ausharren
musste, während die anderen mit den Leuten aus dem Sudan
sprachen. Sie hatten die Sicherheitskräfte, mangels eines
Ausweises, nicht hineingelassen. In der Radiosendung schildert sie
ihre Eindrücke von dieser Zeit: "Das hat mich schon sehr
erschreckt. Das ganze Gebäude mit Stacheldraht umzäunt -
wie im Gefängnis."
Eine Kassette mit der während des Projektes entstandenen Radiosendung
kann bestellt werden.
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